Bezirksverband der Hörgeschädigten Oberpfalz e.V.

Bezirksverband der Gehörlosen Oberpfalz e.V.

Ein Rückblick auf seine 100 Jahre

Wenn ein Verband auf seine 100 Jahre zurückschauen will, dann kann er viel erzählen. Mir als derzeitiger Vorstand ist es aber nur beschränkt möglich, da sehr wichtige Unterlagen gegen Ende des Zweiten Weltkrieges fast ganz verloren gegangen sind. Nach einigen schriftlichen Überlieferungen wurde der Verband unter der Bezeichnung „Taubstummen Unterstützungsverband Oberpfalz“ mit Sitz in Regensburg 1904 gegründet. Gründer war der Taubstummenoberlehrer Max Gabler. Vor seiner Zeit bestanden in einigen Städten in der Oberpfalz schon lose Verbindungen unter den Gehörlosen. Sie pflegten einen regen Gedankenaustausch und die Kameradschaft unter sich. Die damalige große soziale Not hat sie zusammengeführt. Regensburg war regelmäßiger Treffpunkt. Infolge mangelnder Berufsausbildung hatten Gehörlose damals sehr große Schwierigkeiten bei der Arbeitsplatzsuche. Sie konnten nur einfache Berufe ausüben und fanden meist als Hilfsarbeiter einen Arbeitsplatz. Nach damaligen Bestimmungen war ihnen der Zugang zu vielen Berufen wegen der Unfallgefahr verwehrt.

Der Verband hatte es sich zur vordringlichen Aufgabe gemacht:

Im gleichen Jahr entstand in Regensburg die erste Ortsgruppe der Taubstummen in der Oberpfalz. Aus dem ganzen Gebiet traten die Betroffenen bei. Erst Jahre später bildeten sich Vereins-Ortsgruppen auch in Amberg, Weiden, Cham, Schwandorf und Neumarkt. Der große Mitgliederzulauf zeigte das Interesse an dieser Organisation. Später wurde er in „Bayerischer Taubstummen Fürsorgeverband“ umbenannt. Die Gesamtleitung hatte der Taubstummenoberlehrer Herzog aus München. Er strebte den Bau eines eigenen Heimes in München inne, was ihm nach dem Ersten Weltkrieg mit Hilfe einer Lotterie auch gelang. Es lag in München nahe der Landesstummenanstalt in der Haydnstraße. Gegen Ende des Zweiten Weltkrieges erlitt dieses schöne Heim Totalschaden und wurde später als Bildungswerk wieder aufgebaut. Neben kleineren und größeren Veranstaltungen des Bayerischen Taubstummen Fürsorgeverbands in der Oberpfalz ist besonders der Bayerische Taubstummentag verbunden mit einer Leistungsschau 1926 in Regensburg hervorzuheben. Die Presse berichtete von einem sehr hohen Leistungsstand der Taubstummen und zollte große Anerkennung. Nach dem Ausscheiden des Verbandsgründers 1928 übernahm Alois Jäger – Amberg (gehörlos) dieses verantwortungsvolle Amt. Im Laufe des Dritten Reiches wurden die Kreisbünde Oberfranken, Oberpfalz und Niederbayern im Gaubund Bayerische Ostmark zusammengefasst und der NS Volkswohlfahrt unterstellt. Leiter wurde Fritz Ellmers (Bayreuth) und Alois Jäger sein Stellvertreter. Das gesamte Vermögen der 3 Kreisbünde wurde eingezogen. Alle Beträge mussten fortan an die NSV abgeführt werden. Die anfallenden Vereinsausgaben wurden auch dort abgerechnet.
Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges wurde der Gaubund Bayerische Ostmark mit einem Vereinsverbot von der Militärregierung belegt. Nach Auflösung des Gaubundes bildeten sich wieder die drei selbständigen Kreisbünde. Den für die Oberpfalz übernahm Alois Jäger, der Verfasser dieses Berichtes – Hans Zapf – wurde sein Vertreter. Er zog kurz vorher von München nach zweimaligem Bombenschaden in die Stadt seiner Eltern.

Nach der Vereinsfreigabe durch die Militärregierung 1947 wurden die drei bestehenden Gehörlosenvereine in der Oberpfalz zu neuem Leben erweckt. Es hatten nur die Vereine Regensburg, Weiden und Amberg die Kriegswirren überstanden. In Amberg wurde zu dieser Zeit der Taubstummen-Fürsorgeverband unter neuer Bezeichnung „Bayerischer Wohlfahrtsverband Hör- und Sprachgeschädigter“ Sitz München neu gegründet. Vorsitz hatte Dr. Pater Edelbert Kurz sein Vertreter war Oberlehrer Karl Engelmann, beide aus München. Alle bestehenden Ortsvereine traten ihrer Dachorganisation bei. Die 1948 durchgeführte Währungsreform brachte alle Vereine in große finanzielle Schwierigkeiten, die nur langsam überwunden werden konnten.

Erst die Gründung des „Landesverband Bayern der Gehörlosen e.V.“ 1951 vereinigten wieder alle Gehörlosen Ortsvereine. Unter Führung des Landesverbandsvorsitzenden Max Kroiß und dem Geschäftsführer Gottfried Hock ging es nach anfänglichen Schwierigkeiten aufwärts. Es fehlte in den meisten Bezirken eine Beratungsstelle. Die Kreisbünde griffen zur Selbsthilfe mit Unterstützung vom Wohlfahrtsverband „Hör- und Sprachgeschädigter“. In der Oberpfalz übernahm unter erschwerten Umständen diese Aufgabe der inzwischen zum Kreisverbandsvorsitzenden gewählte Hans Zapf diese Aufgabe. Dank dem Entgegenkommen der Behörden konnten manche schwere Fälle der Eingliederung vieler zugezogener Neubürger zufriedenstellend gelöst werden. Beim Führungswechsel 1952 wurde der Kreisbund in Bezirksverband umbenannt und kurze Zeit später in das Vereinsregister beim Amtsgericht Amberg eingetragen. Bald konnten auch die Vereine Neumarkt und Cham neu aktiviert werden. Kleine und größere kulturelle und religiöse Veranstaltungen brachten immer mehr Mitglieder in die Vereine.

Das Bischöfliche Ordinariat des Bistums Regensburg erkannte die Notwenigkeit der Gehörlosenseelsorge und beauftragte Pfarrer Fischer mit diesem Arbeitsgebiet. Er lernte in erstaunlich kurzer Zeit den Umgang mit Gehörlosen und die Gebärdensprache. Seiner großen sozial-christlichen Einstellung ist es zu verdanken, dass er auch eine Beratungsstelle einrichtete und den Bezirksvorsitzenden von dieser Aufgabe entlastete. Vor allem die Arbeitsplatzsuche und die Probleme der Gehörlosen in manchen Betrieben wurden schnell und zufrieden stellend gelöst. Oft besuchte er die einsam und abseits lebenden Gehörlosen und half ihnen ihre Probleme zu lösen. Leider musste er nach einer schweren Erkrankung viel zu früh sterben.

Nach kurzer Unterbrechung übernahm Pfarrer Andreas Schlagenhaufer (Kohlberg) nebenamtlich die seelsorgerische Aufgabe in der Diözese Regensburg. Ihm wurde Richard Hurzlmeier (Weiden) als Referent zur Seite gestellt. Beide hatten sich in kurzer Zeit gut eingearbeitet. Herr Hurzlmeier brachte es sogar zum geprüften Gebärdensprachdolmetscher. Dem Bischöflichen Ordinariat Regensburg gebührt herzlicher Dank.
Die evangelischen Gehörlosen wurden von der Ev.-luth. Gehörlosenseelsorge in Nürnberg versorgt. Den Anfang machte Kirchenrat Hermann Galsterer. Nach dessen Ausscheiden in den Ruhestand übernahmen die Pfarrer Urlau und später Helmut Heim diese Stelle. Nach dessen Ausscheiden wurde Pfarrer Volker Sauermann hauptamtlich für ganz Bayern eingesetzt. Er errichtete einen ständigen Treffpunkt im Vorort Eibach und organisierte eine Beratungsstelle. Frau Hedwig Stöcker machte regelmäßig Besuche bei Gehörlosen und veranstaltete mehrmals Frauentreffs mit wichtigen Themen über Gesundheit und Ernährung in der Oberpfalz. Seit ihrer Versetzung in den Ruhestand übernahm Kirchenrat Joachim Klenk (Nürnberg) die Betreuung der evangelischen Gehörlosen in der Oberpfalz. Seit 2003 ist für unseren Amberger Verein Rüdiger Löbermann zuständig.

Vor rund 20 Jahren wurde mit Hilfe des Verbandes, der Landkreise und einiger Gemeinden eine eigene Beratungsstelle für Hörgeschädigte in Regensburg errichtet. Die von Adolf Gerl (Sozialpädagoge) mit seinem Team geführte Einrichtung wird von allen in der Oberpfalz zur vollen Zufriedenheit und dankbar akzeptiert. In Amberg, Cham, Neumarkt, Regensburg und Weiden werden regelmäßig Sprechtage abgehalten. Sie haben sich als sehr lebensnotwenig und unverzichtbar erwiesen.

Heute leben in der Oberpfalz etwa 600 Gehörlose. Die meisten wegen der besseren Arbeitsmöglichkeiten in den Städten, aber auch weit verstreut auf dem Lande. Die Beschränkungen im öffentlichen Nahverkehr an Sonn- und Feiertagen erschweren ihnen den Besuch der Versammlungen. Eine Abhilfe ist leider wegen der allgemeinen Sparmaßnahmen nicht in Sicht. Hier brauchen wir Hilfen durch Fahrdienste.

Ich, der Verfasser dieses Berichtes, werde am Tage des Jubiläums, nach 52 Jahren aus Altersgründen endgültig als Bezirksverbandsvorsitzender ausscheiden. Heute blicke ich dankbar zurück, dass ich meinen Auftrag gut erfüllen konnte. Am Ende danke ich allen Behörden und Mitarbeitern im Verband für die lange gute und meist harmonische Zusammenarbeit. Meinem Nachfolger wünsche ich das allerbeste für seine künftige nicht immer leichte Arbeit.

Mögen der „Bezirksverband der Gehörlosen Oberpfalz e.V.“ wie auch seine ihm angeschlossenen Vereine noch viele Jahrzehnte glücklich und zum Wohle der Gehörlosen wirken. (Hans Zapf)

2004: Gleichzeitig zum 100. Gründungsfest am 13. November 2004 fand am vormittag der Bezirksverbandstag mit Neuwahl statt. Jürgen Robl wurde zum 1. Vorsitzender gewählt! Er führte den Bezirksverband bis 2007. 2007-2010: Am 14. September 2007 wurde durch Satzungsänderung der Name des „Bezirksverband der Gehörlosen Oberpfalz zum neuen Verbandsname „Bezirksverband der Hörgeschädigten Oberpfalz“ geändert. Beim Vereinsregister von Amberg wurde die Namensänderung vollzogen!
2010 – 2014: Am 20. Februar 2010 übernahm Josef Scheuerer bei Vorstandswechsel die Führung des Bezirksverbandes. Der Ehrenvorsitzender, Hans Zapf konnte seinen 90. Geburtstag m Kreise der Familie und geladenen Gästen vom Landesverband, sowie Bezirksverband Oberpfalz feiern. Sie übermittelten herzliche Glückwünsche. Der langjährigen Gehörlosenverein Weiden ist im Jahr 2012 als Mitglied aus dem Bezirksverband Oberpfalz und somit auch Landesverband Bayern ausgetreten. Bis heute gibt es 5 Gehörlosenvereine in der Oberpfalz!

(Josef Scheuerer)

Die Vereinsvorsitzenden waren/sind: